Die Schwanthalerhöhe – Ein Stadtteil verliert seinen Charakter

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Die Schwanthalerhöhe, die ihren Namen durch den Bildhauer Ludwig Schwanthaler erhielt, der die weltberühmte Bavaria schuf, wird von den Einheimischen oft „Westend“ genannt. Dieses Viertel, in dem heute knapp 30.000 Menschen leben, entstand im Zuge der Industrialisierung in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts als Arbeiterviertel mit verdichteter Blockbebauung. Fast die Hälfte des Baubestands stammt aus der Zeit vor 1919. Lange galt die Schwanthalerhöhe als einfaches Arbeiterviertel, das in den letzten Jahrzehnten mit immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund bevölkert wurde, die mittlerweile ein Drittel der Schwanthalerhöhe-Bürger ausmachen. Das Zusammleben dieser vielen Nationen funktionierte bislang ohne Probleme.

Doch seit der Bebauung des alten Messegeländes zu Beginn des letzten Jahrzehnts ändert sich die Bevölkerungsstruktur. Businessleute bestimmen besonders im westlichen Teil dieses Bezirks das Tagesbild. Immer mehr vertraute einfache Gaststätten wandeln zu hippen Café-Bistros. Südländische Gemüseläden oder andere kleine Einzelhandelsläden werden zu Architektur- oder Maklerbüros. Ein Haus nach dem anderen wird saniert und modernisiert, um dem Business-Clientel gerecht zu werden, denn diese Gruppe nimmt immer mehr überhand und macht die Schwanthalerhöhe inzwischen zum In-Viertel. Mieten explodieren, die angestammte Bevölkerung, meist mit niedrigem Einkommen, wird immer mehr vertrieben. Die Bürger, die hier ihr ganzes Leben verbrachten, müssen ihr vertrautes Umfeld verlassen, da die Mieten einfach nicht mehr zu bezahlen sind. Leerstände gibt es nicht, da jedweder Preis bezahlt wird. Das Milieu dieses Stadtteils, ursprünglich hervorgerufen durch den gewohnten Charme von Jung und Alt, durch das Zusammenleben unterschiedlich sozialer Schichten, durch das einmalige Multikulti-Miteinander, droht gänzlich zerstört zu werden. Somit wird nicht wiederbringbar ein Stadtteil dem Fortleben seiner Kulturgeschichte beraubt, und nur, weil es Gesetze gibt, die diesen Mietwucher ermöglichen – neuerlich forciert und vorangetrieben durch die seit dem 01.05.2013 in Kraft getretene Mietrechtsnovelle, im Speziellen durch die Modernisierung. Und die Politik schaut zu, will dies offensichtlich, sonst würde sie massivst dieser fatalen Entwicklung, die unsere Stadt zusehends kaputt macht, entgegenwirken.