Schwabing

 

Wer in diesem Münchener Stadtteil, Zustand oder „schönsten Tochter” lebt, kommt unweigerlich mit der glanzvollen Geschichte in Berührung. Das beginnt meist schon beim eigenen Wohnort, an dem „früher einmal eine Tankstelle” war, eine berühmte Persönlichkeit lebte oder heute noch „weißt schon – des is doch der Soundso” ein und aus geht. Ständig kommt man in Berührung mit dem „Blauen Reiter”, literarischer Glanzleistungen und epochaler Künstlerfeste. Oft begegnet uns das historische Pendant zu einer erfolgreichen Persönlichkeit, einer Künstlerexistenz oder einem schrägen Vogel. Wir sind überzeugt, dass Schwabing seinen Ruf und das damit verbundene Lebensgefühl zu Recht besitzt und sind stolz daran teilzuhaben. Aber Schwabing verpflichtet.

Wir stehen in einer außergewöhnlichen Tradition von Kunstlegenden, Querdenkern, Widerstandskämpfern, Nobelpreisträgern, Komponisten und Anarchisten. Immer wieder ist Schwabing totgesagt, wiederbelebt und abgeschrieben worden, nicht zuletzt wegen der Luxussanierungen und Gentrifizierung, die immer wieder Menschen nach Schwabing bringt, die zwar hier leben und sich im seinem Glanz sonnen, aber selbst nichts dazu beitragen. Trotzdem spürt man immer noch, wo der künstlerisch freiheitliche Geist weht. Jeder ist aufgefordert diese Offenheit und Toleranz zu vertreten und zu verteidigen. Ironischerweise war Schwabing um die Jahrhundertwende, damals noch weit vor den Toren der Stadt München, bei Künstlern gerade wegen der günstigen Mieten beliebt und bildete eine 
intellektuelle Subkultur, die dem heutigen München so dringend fehlt.